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Von Maurizio Minetti, Luzerner Zeitung
Daniel Jäggli hat ein halbes Jahrhundert IT-Geschichte mitgeschrieben. Der Stadtluzerner war noch ein Teenager, als er 1976 eine KV-Lehre bei der damaligen André Leuchter AG begann. Keine zehn Jahre später bot ihm der gleichnamige Firmengründer an, die Nachfolge zu übernehmen. «Ich hatte das Glück, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, und ich habe diese Gelegenheit genutzt» sagt Jäggli rückblickend. Nach dem Einstieg seines Geschäftspartners Marco Conconi wurde die Firma 1991 in Leuchter Informatik umbenannt. Später entwickelte sich daraus die Leuchter IT Solutions, die auf Software, Security. ERP und Infrastruktur spezialisiert ist.
Nun ist Jäggli an der Reihe, das Zepter weiterzugeben. «André Leuchter hat das damals vorbildlich gemacht. So musste ich mir nicht lange überlegen, mit meinen Mitarbeitenden den selben Weg zu gehen und die Unternehmen schrittweise in ihre Hände zu übergeben» ., sagt der 65-Jährige, der heute Verwaltungsratspräsident der übergeordneten Holding der diversen Leuchter-Firmen ist. Vorgesehen ist, dass die Mitarbeitenden die Mehrheit der Aktien nächstes Jahr übernehmen.
Der Schritt kommt zu einem Zeitpunkt des Neuanfangs für Leuchter IT Solutions. Im Sommer ist das Unternehmen nach Emmenbrücke in die Viscosistadt gezogen – nach einer über 60 Jahre langen Präsenz in der Stadt Luzern. «Wir waren eigentlich glücklich an der Winkelriedstrasse, doch das Haus war sanierungsbedürftig», erzählt Jäggli. Die Eigentümerschaft informierte ihn im Frühling 2025 über die Sanierungspläne. Nun werden die ehemaligen Räumlichkeiten von Leuchter wieder zu Wohnungen zurückgebaut.
Nachdem klar war, dass Leuchter die Winkelriedstrasse verlassen muss, begann die Suche nach einem neuen Sitz. «Wir wollten ursprünglich in der Stadt bleiben, aber wir wollten unbedingt wieder eine Dachterrasse und Parkplätze.» Diese Vorgaben erschwerten die Suche. «Eine Idee war der ehemalige Standort der Hochschule Luzern an der Werftestrasse, doch man bot uns lediglich zwei Parkplätze an», erzählt Jäggli. Auch die Überbauung Eichhof West an der Stadtgrenze von Luzern und Kriens war eine Option. «Hier wären es immerhin sechs Parkplätze gewesen – damit aber immer noch massiv zu wenig», so Jäggli.
Schliesslich entschied sich das Unternehmen, in der Viscosistadt an der Spinnereistrasse 5 zwei ganze Stockwerk zu übernehmen und auszubauen. «Es ist für uns ein Glücksfall, weil wir unsere Dachterrasse mit Aussicht und sogar noch mehr Parkplätze haben als in der Stadt», sagt Jäggli. Er lobt die Zusammenarbeit mit der Gemeinde Emmen und der Luzerner Wirtschaftsförderung. «Die Behörden haben uns wirklich sehr gut unterstützt. Die Baubewilligung lag innerhalb von fünf Wochen vor.»
Das Haus und das Areal von rund 90'000 m2 gehören der Viscosistadt AG, diese wiederum der Sefar Holding, welche die ursprüngliche Viscosuisse 2009 übernommen hat., Leuchter hat aber den ganzen Ausbau des neu aufgebauten obersten Geschosses sowie den Umbau des unteren «alten» Farbik-Stockwerks finanziert. Die Büroräumlichkeiten sind auf die aktuelle Belegschaft von rund 110 Mitarbeitenden ausgelegt. «Jeder Mitarbeiter und jede Mitarbeiterin haben einen eigenen Arbeitsplatz. Sollten wir weiterwachsen, werden wir Desksharing einführen», sagt Jäggli. Einige weitere Beteiligungen der Leuchter Holding sowie das CoWorking Luzern bleiben an der Habsburgertrasse 22 in der Stadt Luzern angesiedelt.
Leuchter plant aber wie immer langfristig – eher untypisch für ein IT Unternehmen. Der Mietvertrag ist auf 15 Jahre mit zwei fünfjährigen Verlängerungsoptionen langfristig aufgelegt. Die Firma, die 1959 von André Leuchter gegründet wurde, wäre dann über 100 Jahre alt. Daniel Jäggli, der mindestens ein halbes Jahrhundert der Firmengeschichte geprägt hat, will sich derweil nicht komplett zurückziehen. Er und die Frau des verstorbenen ehemaligen Mitinhabers Marco Conconi werden eine kleine Minderheit behalten. «Ich werde künftig einfaches Verwaltungsrats-Mitglied sein», so Jäggli. Das eine oder andere Projekt werde er auch in Zukunft noch betreuen. Die Ideen gehen ihm auf jeden Fall nicht aus. Als er kürzlich in China war, entschied er sich kurzerhand, mit Siba Swiss ein Unternehmen zu gründen, das Schweizer Firmen beim Markteintritt in Asien mit Strategien, lokalem Know-how und einem Netzwerk vor Ort unterstützt. Auch über 50 Jahre nach dem ersten Tag als Lehrling bei Leuchter ist für Daniel Jäggli klar: «Ich habe weiterhin Spass am Arbeiten.»
