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Im Leuchter Security Operations Center (SOC) untersuchen wir täglich sicherheitsrelevante Vorfälle unserer Kunden. Doch Logs allein reichen oft nicht aus, um zu verstehen, was wirklich passiert ist. Hier kommen sogenannte Windows-Artefakte ins Spiel: Spuren, die das Betriebssystem automatisch hinterlässt und die helfen, Aktivitäten auf einem Computer nachzuvollziehen.
Dazu gehören zum Beispiel die Ausführung von Programmen, das Bearbeiten oder Löschen von Dokumenten, Übersichten der Netzwerkverbindungen, eingesteckte USB-Sticks und vieles mehr.
Um unser SOC-Team in diesem Bereich weiter zu stärken, habe ich letzten Sommer den SANS FOR500 Kurs im OnDemand-Format absolviert und anschliessend die dazugehörige GCFE-Zertifizierung erfolgreich abgeschlossen. In diesem Bericht teile ich meine Erfahrungen mit dem Kurs im OnDemand-Lernformat und dem gelernten Inhalt.
1. Was ist FOR500?
Der FOR500 („Windows Forensic Analysis“) Kurs fokussiert sich auf „Digital Forensics and Incident Response“ (DFIR), einen zentralen Bestandteil jedes SOC. Einfach gesagt vermittelt der Kurs, wie man Windows-Systeme nach einem Sicherheitsvorfall untersucht.
Er zeigt, wie Windows im Inneren funktioniert, welche Daten gesammelt werden und wie dieses Wissen genutzt werden kann, um Angriffe zu erkennen, zu verstehen und zu rekonstruieren.
Behandelt werden unter anderem:
- Wie Windows-Artefakte entstehen und was sie über Benutzer- und Systemaktivitäten verraten
- Wie zeitliche Abläufe von Sicherheitsvorfällen rekonstruiert werden
- Wie ein strukturierter Incident-Response Prozess aussieht
- Welche Tools und Methoden in der Praxis eingesetzt werden
Das OnDemand-Modell, das ich gewählt habe, bietet dabei viel Flexibilität: Die Inhalte können über mehrere Monate hinweg im eigenen Tempo durchgearbeitet werden – inklusive Videos, Kursunterlagen und praktischen Übungen.
2. Was sind Windows-Artefakte und wozu braucht man sie?
Windows-Artefakte sind Spuren, die das Betriebssystem automatisch erzeugt, wenn Programme gestartet, Dateien geöffnet oder Systemeinstellungen verändert werden.
Man kann sie sich wie digitale Fussabdrücke vorstellen. Sie helfen dabei:
- nachzuvollziehen, welche Programme ausgeführt wurden
- zu erkennen, welche Dateien geöffnet oder verändert wurden
- herauszufinden, wann bestimmte Aktionen stattgefunden haben
- zu prüfen, ob ein Angreifer versucht hat, sich dauerhaft im System einzunisten
Diese Informationen sind besonders wertvoll, wenn Angreifer versuchen, ihre Spuren zu verwischen oder wenn klassische Logs fehlen oder manipuliert wurden.
3. Beispiele aus der Praxis: Wie Artefakte bei Incidents helfen
Um zu zeigen, wie hilfreich dieses Wissen im Alltag ist, folgen zwei typische Beispiele aus realen Analysen.
Beispiel 1: «Prefetch» oder «Welche Programme wurden wirklich gestartet?»
Windows speichert Informationen darüber, welche Programme ausgeführt wurden, um sie beim nächsten Start schneller laden zu können.
In einem Incident bestand der Verdacht, dass ein Angreifer ein legitimes Windows-Tool missbraucht hatte. Die normalen Logs waren jedoch unvollständig.
Die Analyse der Prefetch-Daten zeigte:
- dass das Programm tatsächlich gestartet wurde
- zu welchem Zeitpunkt
- und wie oft
Damit liess sich der Ablauf des Vorfalls zeitlich einordnen und mit anderen Spuren verknüpfen.
Beispiel 2: «Registry»
Die Windows-Registry speichert zahlreiche Einstellungen und Informationen darüber, wie Programme genutzt werden.
In einem vom Leuchter SOC bearbeiteten Fall bestand der Verdacht, dass ein Angreifer versucht hatte, sich beim Systemstart automatisch auszuführen.
Durch die Untersuchung bestimmter Registry-Einträge wurden folgende Hinweise gefunden:
- ein verdächtiger Eintrag, der beim Hochfahren ein unbekanntes Programm starten sollte
- Hinweise darauf, dass dieses Programm zuvor manuell ausgeführt worden war
Damit konnte bestätigt werden, dass es sich nicht nur um eine harmlose Datei handelte, sondern um einen tatsächlichen Versuch, dauerhaft im System präsent zu bleiben.
4. Vom Kurs zur Zertifizierung
Ich hatte ursprünglich einen eher theoretischen Kurs erwartet. Der FOR500 ist jedoch stark praxisorientiert. Besonders die Hands-on-Labs haben geholfen, das Gelernte direkt anzuwenden. Dieses Wissen nutze ich inzwischen regelmässig in SOC-Analysen.
Das OnDemand-Format bot dabei viel Flexibilität, erforderte aber Disziplin. Feste Lernzeiten, aktives Durcharbeiten der Videos und direktes Bearbeiten der Labs waren für mich entscheidend. Der Zeitaufwand ist nicht zu unterschätzen. Die Videos umfassen mehrere Dutzend Stunden, hinzu kommen mehrere Bücher und umfangreiche Übungen.
Der eigentliche Härtetest folgte jedoch mit der GCFE-Prüfung. Sie ist Open Book, dauert drei Stunden und umfasst rund 80 Fragen. Die wichtigste Vorbereitung neben dem Kursstoff selbst ist ein gut strukturierter Index zu allen Büchern. Ohne diesen verliert man im Zeitdruck schnell den Überblick. Ebenfalls hilfreich waren die zwei im Kurs enthaltenen Practice Tests, die ein realistisches Bild des Schwierigkeitsgrads vermitteln.
Mein Rat: Wer die Zertifizierung anstrebt, sollte sich einen Index parallel zum Kurs aufbauen (und nicht erst am Ende).
Cedric Gebisdorf
System Engineer
Leuchter IT Infrastructure Solutions AG
5. Fazit
Der FOR500-Kurs mit GCFE-Zertifizierung ist eine hervorragende Wahl für alle, die Windows-Forensik nicht nur theoretisch verstehen, sondern auch praktisch anwenden möchten.
Besonders geeignet ist der Kurs für:
- Einsteiger in Digital Forensics
- SOC-Analysten
- IT-Security-Professionals mit Fokus auf Incident-Response
Ich würde den Kurs klar weiterempfehlen, insbesondere im OnDemand-Format für alle, die flexibel lernen möchten.
