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Welche unterschiedlichen Arten der Verrechnung gibt es beim Software Engineering?

Markus Estermann
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Bei jeder Auftragsvergabe, sei es privat, geschäftlich oder eben auch im Software Engineering, ist es empfohlen, die Art der Verrechnung im Voraus festzulegen. Davon gibt es verschiedene Varianten, die ich euch hier erstens kurz vorstellen möchte und zweitens auch aufzeigen, was wir im Leuchter Software Engineering darunter verstehen. Gerne darfst du deine Meinung oder Erfahrung in den Kommentaren ergänzen.

 

Fixpreis oder Festpreis, das ist hier die Frage

Der Fixpreis ist laut Duden ein Synonym für Festpreis. Der Festpreis ist der zu bezahlende Preis für eine definierte Leistung. Im Auftrag muss also klar definiert sein, was zu tun ist. Ist die Beschreibung ungenau oder verstehen Auftraggeber und Auftragnehmer darunter etwas Unterschiedliches, ist ein Clinch vorprogrammiert. Werden Ergebnisse beschrieben, gilt der Auftrag als «Werk», werden Tätigkeiten beschrieben, gilt er als «einfacher Auftrag». Eine Änderung am Umfang bzw. Auftrag ist nachträglich nicht ohne gegenseitiges Einverständnis möglich. Der Preis basiert bei uns fast immer auf der für den Auftrag vorher geschätzten Arbeitszeit. Der Kunde bekommt also das, was abgemacht bzw. beschrieben ist zum vorgängig fix festgelegten Preis. Brauchen wir länger oder treten Probleme auf, geht das somit fast immer zu unseren Lasten. Der Preis beinhaltet dafür aber schon eine Art «Risikozuschlag» für das Unvorhergesehene.

Fixpreis oder Festpreis

Nach Aufwand ist auch möglich

Bei einer vagen Auftragsbeschreibung oder offensichtlich zu erwartenden Schwierigkeiten kann es sein, dass der «Risikozuschlag» sehr hoch werden würde. Trotzdem kann ein Preis geschätzt werden, z.B. ein «Optimalfall»-Preis und ein «Worst Case»-Preis. Es ist somit aber nicht im Voraus klar, welcher Preis für die Leistung zu bezahlen ist. Je nach geleistetem Aufwand entsteht am Schluss der Preis. Er ist somit auch nicht nach oben begrenzt. Es empfiehlt sich hier also, dass der Kunde «Überwachungsmassnahmen» einbaut, damit es zu keinen Überraschungen kommt. Eine solche Massnahme kann z.B. eine regelmässige Berichterstattung über den bisher geleisteten Aufwand sein.

Nach Aufwand

Ein Kostendach als maximales Limit

Das Kostendach tritt meist in Kombination mit der Abrechnung «nach Aufwand» auf. Mit dem Kostendach kann der Kunde den maximalen Preis festlegen. Die vage Auftragsbeschreibung oder die Stolpersteine bleiben also bestehen. Falls der Auftragnehmer keine «Schwierigkeiten» hat und unterhalb des Kostendaches bleibt, kann er (maximal) die geleisteten Stunden verrechnen. Dauert der Auftrag doch länger oder treten Schwierigkeiten auf, kann er maximal das Kostendach (trotz mehr geleisteter Stunden) verrechnen. Da bei diesem Modell der Vorteil, was das Risiko als auch den Gewinn angeht, ausschliesslich beim Kunden liegt, wenden wir es nur in Ausnahmefällen an.

Kostendach

Mögliche Mischformen für Kleinprojekte

In der Praxis kommen meistens Mischformen zum Zug. So kann beispielsweise der grosse, gut spezifizierte Teil des Auftrags als Festpreis vereinbart werden. Der (kleine) Rest dann beispielsweise nach Aufwand oder mit Kostendach. Bei langjährigen Kunden ist es oft so, dass wir zwar einen Festpreis vereinbaren, aber bei weniger Aufwand auch weniger verrechnen, dafür bei «unvorhergesehenen» Schwierigkeiten nach Zusatzbudget anfragen. Über die Zeit ergibt sich dabei ein «Geben und Nehmen».

Mischformen Kleinprojekte

Mögliche Mischformen für mittlere Projekte

Unsere «üblichen» Projekte bestehen aus mehreren Aufträgen oder Tickets, die zusammen als Paket in einem definierten Zeitraum bearbeitet werden. Der Umfang ist somit pro Ticket, als auch im Gesamtpaket, mit einem Festpreis versehen.

Mischformen mittlere Projekte

Mischformen Grossprojekte

Bei Grossprojekten ist es sehr aufwändig, eine detaillierte Spezifikation als «Auftragsbeschreibung» zu erstellen. Soll ein solches mit Festpreis umgesetzt werden, kommt man aber nicht drum herum. Diese Arbeit wird meist vergütet als Teil des Gesamtprojektes. Da der Festpreis fix mit dem Inhalt des Auftrags also den Spezifikationen verbunden ist, kann dieser Auftragsinhalt im laufe des Projekts auch nicht verändert werden. Änderungen müssen in diesem Fall über den «Change»-Prozess abgewickelt werden, was zu Zusatzkosten führt. Deshalb empfehlen wir, ein Grossprojekt in sogenannte «Sprints» aufzuteilen. Dabei muss nicht «nach Aufwand» abgerechnet werden. «Sprint-Pakete» können während des Projektes spezifiziert sowie geändert werden und lassen sich eher mit einem Festpreis versehen.

Mischformen Grossprojekte