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60 Jahre Leuchter: Arbeiten 1959 – Eine andere Art Computer verändert die Arbeitswelt

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Daniel Jäggli
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1959 hatte André Leuchter an die Zukunft geglaubt und als Olivetti- und Hermes-Agent in Luzern sein Unternehmen zum Vertrieb und zur Wartung von Büromaschinen gegründet. Vorher arbeitete André Leuchter lange als Verkaufsdirektor bei Hermes, dem damaligen Schweizer Büromaschinenhersteller. Wer kennt sie nicht, die legendäre Hermes 3000 Schreibmaschine, sei es aus eigener Erfahrung, vom Militär oder vom Estrich seiner Eltern.

Hermes 3000
Bildquelle: https://typewriters.ch/collection/hermes_3000.html

In den 60er Jahren wurden Dokumente elektro-mechanisch und mit wenigen Hilfsmitteln erstellt. Zum Vervielfältigen von Dokumenten benutzte man die Matrize, ein altes Kopiergerät. Für Berechnungen gab es bereits elektro-mechanische Rechenmaschinen. 1974 fusionierte Hermes mit Precisa und verschlief die Elektrifizierung. Damit befand sich das Unternehmen schon bald auf dem absteigenden Ast. So konzentrierte sich André Leuchter auf Olivetti, um den Büroalltag für seine Kunden zu erleichtern.

Banner zur Weiterleitung auf Eventseite des Jubiläums

Welche Hardware und welche Dienstleistungen hat Leuchter 1960 angeboten?

Zum Schreiben, klar, die Schreibmaschine. Dabei fing es an beim Typenhebel und ging weiter über den Kugelkopf bis zum Typenrad. Also von elektrisch zu elektronisch, von 30 kg bis zu portabel mit 3 kg. Von dem Modell Lettera zu den Modellen Praxis, Tekne, Editor, Lexikon und TES. Es folgte ET für Electronic Typewriting. Die Themen: Durchschlagskraft für die Kopie mit dem Kohlenpapier, ohne das Original zu zerschneiden, gerade Linien, Lautstärke beim Anschlag und der Geruch – Öl und Fette rochen unangenehm.

Studentin arbeitet an einer Olivetti TES 401
Olivetti TES 401, Bildquelle: https://commons.swinburne.edu.au/items/1b03a93e-5176-4ec5-bac3-38ada5deb9ab/1/

Unnötig zu sagen, dass die richtige Schreibmaschine auf dem Pult ein Statussymbol war. So eine elektrische Editor 4 kostete locker CHF 4’000. Später kam dann das nächste Statussymbol – die Kugelkopfmaschine mit Korrekturtaste. Nur die besten Sekretärinnen erhielten zu Beginn diese Geräte. Das setzte sich fort mit der elektronischen Schreibmaschine ET 221. Mit ihr konnte man im Display eine ganze Zeile korrigieren, bis das Typenrad ratterte. Mit der ETV war es dann möglich, einen ganzen Brief nachträglich über das Display (später den Bildschirm) zu korrigieren und auszudrucken. Die Preise – astronomisch – bis zu CHF 15’000 für die TES 401 mit der Speicherkapazität von vier Seiten.

Original-Fachartikel aus der Computerwoche 1978: Know-how- Zwerg für den Fachhandel

Wie wurde eigentlich zur Gründung von Leuchter 1959 in der Buchhaltung gearbeitet?

In einem Unternehmen muss immer gerechnet werden. Glücklich, wer also ein Wunderrechengerät auf seinem Pult hatte – vermutlich meistens der Chef oder der Chefbuchhalter. Die Modelle hiessen Multisumma oder Divisumma, dann später Logos, zuerst noch mit Kurbel nachher elektrisch angetrieben. Dabei ratterte die Maschine teilweise bis zu einer Minute lang, um ein Resultat einer Division zu erzeugen. Ein Rechengerät bestand aus tausenden Teilen und wog locker mal 20 kg. Zu Beginn standen nur die Rechenoperationen Plus und Minus zur Option. Später dann noch Multiplikation und Division. Mehr war nicht drin. Erst mit der Elektronik gelang es, an unsere heute bekannten Rechenoperationen und Speicher heranzukommen. Die Logos 75 war ein Wunderwerk ihrer Zeit und jeder Treuhänder brauchte sie, um im Voraus zu buchen mit den 99 Speichern. Erste Formen der Tabellenkalkulation waren dann mit dem Display auch schon möglich.

 

Wie führte man die Buchhaltung?

Ganz zu Beginn einfach mit Kontoblättern, in die man mit einer Buchungsmaschine schrieb. Nichts wurde gespeichert. Dafür verstand noch jeder das Prinzip der Kontenblätter. Das änderte sich 1960 mit der Olivetti Audit 413. Man schrieb nur noch Zahlen, das Gerät rechnete. Wie ging das? Für den Buchungsfall Kassa an Debitoren CHF 1000 nahm man zuerst das Kontoblatt Kassa mit der Kontonummer 1000 und tippte diese ein. Dann tippte man den alten Banksaldo auf dem Blatt in die Tastatur, sagte «Plus» und tippte die Nummer des Gegenkontos 1030 ein. Das wurde auf das Kontenblatt geschrieben, darauf suchte man das Konto 1030, tippte auch wieder den Saldo ein und magic: die Gegenbuchung mit dem richtigen Saldo wurde geschrieben. Qualität hiess da, saubere Kontenblätter und keine Stornos oder anderes. Jeden Fehler konnte man unerbittlich klar sehen. Hinter den wechselnden Kontenblättern lief das Journal ab. Eine Buchhaltung bestand also aus dem Journal und den Kontenblättern.
Dies ging dann Schritt für Schritt weiter und irgendwann kannte das System zum Beispiel die Olivetti A7, die 1977 den Design Award gewann, bereits viele Buchhaltungs-Themen inklusive Konten, Salden etc.

Wie wurde eigentlich zur Gründung von Leuchter 1959 kommuniziert?

Kommunikation – ja klar, neben dem Telefon mit Wählscheibe lag immer eine Liste mit den wichtigsten Nummern und im Lateralschrank befanden sich die Telefonbücher der Schweiz, etwa 15 waren es, glaube ich. Hauptkommunikationsform war tatsächlich der Brief. Ganz wenige Unternehmen konnten sich eine Telex leisten, die Textnachrichten über ein telefonähnliches Netz transportierte. Allerdings geschah das sehr rudimentär, aber dafür konnte man klar, beweisbar und schnell kommunizieren. Über diese Evolution gibt es im nächsten 60er Jahre Leuchter Blog dann mehr zu erfahren.

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