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Mal wieder rinnt der Sand durch das Stundenglas und mit dessem Ende kam der Anfang: Windows 10. Die lang erwartete Weiterentwicklung der Microsoft Client-Betriebssystemreihe hat gefühlt mehr Stunden in der Gerüchteküche verbracht, als so mancher Spitzenkoch hinterm Herd. Viele Tech-Previews, Mythen um einen neuen Browser und eine nicht alltägliche Ankündigung seitens Microsoft hielten die Nutzergemeinde in Atem: Ja, Windows 10 wird zumindest Endanwendern geschenkt. Mit dem Erscheinen der Build 10240 entfällt das Wasserzeichen der Tech-Preview-Reihe womit das Feature-Set der Endversion feststeht. Nun, ein Tag vor dem Release-Termin, wird’s Zeit dem Gaul ins Maul zu schauen.

New Deal – Microsoft Edge

Mit „Edge“, ehemals Codename „Spartan“, stellt Microsoft einen neuen Browser vor, wodurch die Internet Explorer-Dynastie zumindest unterschwellig Gegenstand der Nachfolgeregelung wird.

Microsoft Edge
Microsoft Edge

Der neue Browser bietet für eilige und mobile Leser eine „Leseliste“, die es erlaubt auch unterwegs Seiten offline zu lesen. Die Leseansicht stellt Inhalte in den Vordergrund und blendet den Lesefluss störende Elemente (auch Werbung) aus. Notizen-Kritzeln-2.0 bietet die Kommentarfunktion, mit der Notizen auf Webseiten gemalt werden und jene Inhalte sogar mit anderen geteilt werden können. Edge wird als UniversalApp ausgerollt, läuft also gleichermassen auf Notebooks, PC, Smartphones und anderen Geräten.

Kommentarfunktion
Kommentarfunktion von Microsoft Edge

Edge soll im Bereich Kompatibilität und Leistung neue Massstäbe setzten. In Zeiten von HTML5- und JQuery-animierten Webseiten kann Microsoft Edge hier mit seiner neuen JavaScript-Engine Chakra punkten. Mit Edge verabschiedet sich Microsoft auch von Altlasten des IE-HTML-Interpreters „Trident“. Dieser hat seit jeher die Webstandards etwas eigenwillig interpretiert und damit so manchen Webentwickler zu Verzweiflung gebracht. EdgeHTML ist auf dem neusten Stand der Technik und zeigt Webseiten nach gängigen W3C-Vorgaben an.

Ganz aus der Mode kommt IE aber noch nicht. Zumindest im Unternehmensumfeld propagiert Microsoft den Browser noch immer als State-of-the-Art und Legacy-Browser.

Personal Assistant – Cortana

Die sympathische Stimme aus dem Windows Phone liest dem Anwender nun auch am PC oder Notebook von den Lippen. Cortana ersetzt, sofern aktiviert, die Windows Suche und hilft den Alltag zu organisieren. Nebenbei ist sie auch für dumme Fragen, Witze oder ein kleines Ständchen zu haben (kein Witz). Siri kennt sie leider nur flüchtig und, soweit ich herausgefunden habe, ist sie noch Single (oder so ähnlich). Sie ist etwas hastig und lässt mich öfters mal nicht ausreden. Aber hübschen Frauen verzeiht „Mann“ ja bekanntlich vieles. Leider lässt sich Cortana (noch) nicht in die Schweiz einladen. Aktuell bleibt die Unterstützung der Region Deutschland vorbehalten.

Your personal assistant

The only one(s) – Universal Apps

Trotz Mythen, Märchen und Sagen ist die Grundausrichtung von Windows 10 schon recht lange klar. Das OS soll gleichermassen auf Tablets, Notebooks, Mobiles und … tatsächlich auch auf der Xbox laufen. Dies verfolgt Microsoft konsequent mit dem Konzept der „Universal Apps“. Mit diesem können Entwickler identische Software für verschiedene Geräte mit minimalem Mehraufwand entwickeln. Benefit für den Nutzer: Ein einheitliches Nutzererlebnis und ausgereiftere Applikationen. So nebenbei: die Office-Applikationen sind schon als Universal App zu haben.

Word als Universal App
Word als Universal App

Nearly new deal – virtuelle Desktops und das Startmenü

Schon wieder ein neues Startmenü? J-ein. Eher eine Synthese aus alt und neu. Von vielen vermisst fand nun das geliebte „Programme“ im neuem Gewand als „Alle Apps“ den Weg zurück ins Startmenü. Die wichtigsten Optionen wie Explorer, Einstellungen und On/Off sind zentral und nahe am Windows-Button. In Kachelform merkt sich Windows die wichtigsten Präferenzen seines Besitzers. Alles in allem eine sehr gelungene Umsetzung die gleichermassen Home- und Businessanwender dienlich sein dürfte.

Startmenü von Windows 10
Startmenü von Windows 10

Noch einen Schritt weiter macht Windows 10 im Bereich Multitasking. Es ist nun nicht nur möglich zwischen einzelnen Prozessen hin und her zu wechseln. Anwender können mit der Task View verschiedene Programme in unterschiedlichen Desktops unterbringen. So kommen sich verschiedene Projekte nicht mehr in die Quere. Ordnung muss ja sein.

Virtuelle Desktops
Virtuelle Desktops

Neues in neuem Kleid?

Zumindest bei der Namensgebung war man gleichermassen kreativ wie ideenlos. Einerseits kann bis dato niemand erklären, warum nach Windows 8.1 nicht Windows 9 kam. Trotzdem blieb man in der Namensgebung konservativ beim Aufnummerieren. In der Modellpalette verhält es sich ähnlich: Die Home-Version löst Windows 8 ab. Das Pro-Äquivalent ersetzt Windows 8 Pro. Unternehmenskunden ersetzten Gleiches mit Gleichem. Aus Enterprise… bleibt Enterprise. Die Versionen RT (Embedded) heisst jetzt Windows 10 IOT und Windows Phone 8 steigt zu Windows Mobile 10 auf.

Trotz langweiliger Namensgebung gibt es einen entscheidenden Unterschied: Unter der Haube soll der gleiche Betriebssystem-Kern sitzen. Die grundlegende Änderung gibt Entwicklern neue Freiheit und kommt in der Konsequenz dem Endkunden zugute.

How to get?

Das offizielle Releasedate steht schon etwas länger fest. Am 29. Juli werden die ersten Windows 10 Betriebssysteme ausgerollt. Wer dabei sein möchte hält einfach sein System Up2Date, sprich lädt und installiert regelmässig Windows Updates. Das Update-Tool installiert sich dabei selbst. Nutzer können zu gegebenem Zeitpunkt wählen, ob das Update eingespielt werden soll oder nicht. Wann genau das ist, entscheidet aber Microsoft. Der Rollout soll in Wellen erfolgen, was sicher zugunsten der Kundenzufriedenheit ausfällt.

Update-Tool
Update-Tool

For free?!

Ja, zumindest für Endkunden, welche ein legal lizenziertes Windows 7 oder Windows 8 (Home oder Pro) besitzen ist das Update kostenlos. Unternehmenskunden haben gemäss abgeschlossenen Lizenzverträgen Anrecht auf das Update, was aber keine unentgeltliche Sache sein wird.

Zusammenfassend…

… macht das neue OS Laune. Das Konzept der Geräteunabhängigkeit ist mutig, scheint aber nach der umfassenden Testphase gute Aussichten auf Erfolg zu haben. Sollte sich dies bewahrheiten kommt jenes Gelingen im ersten Wurf einem Hattrick gleich. Grossen Einfluss auf das Gelingen hat sicher auch die Frage, ob Entwickler sich animiert fühlen universelle Apps zu entwickeln. Die Oberfläche ist attraktiv. Neue Features machen Spass und einige lang zurückgewünschte Funktionen, wie das „Startmenü“, nimmt der Nutzer sicher dankend an. Dann mal viel Spass beim Updaten 😉